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Eiweiß-Mythen auf dem Prüfstand

Kann man tatsächlich einen Eiweiß-Schock erleiden? Helfen spezielle Shakes beim Muskelaufbau oder proteinreiche Kost beim Abnehmen? Wir haben fünf Eiweiß-Mythen für Sie aufgeklärt


Eiweiß steckt in verschiedenen Lebensmitteln

Über eiweißreiche Nahrung kursieren – wie über so viele Themen rund um das Essen – diverse Gerüchte und Halbwahrheiten. Silke Restemeyer, Ökotrophologin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), klärt die Mythen auf.


  • Platte mit Meeresfrüchten

    Kann man von zu viel Fisch/Austern/Krustentieren einen Eiweiß-Schock bekommen?

    "Nein", weiß Restemeyer, "es gibt gar keinen Eiweiß-Schock". Allerdings können Garnelen, Hummer, Krebse oder Muscheln sehr heftige Allergien auslösen. Diese können sich beispielsweise als Hautausschlag oder Schwellung im Mund-Rachenraum äußern. Im schlimmsten Fall führen sie zu einem anaphylaktischen Schock. Auch einige Fischarten enthalten sehr aggressive Allergene.

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  • Frau hat Nierenschmerzen

    Schadet zu viel Eiweiß den Nieren?

    Viele Menschen essen mehr Eiweiß als die DGE empfiehlt. "Dies ist für gesunde Erwachsene zunächst nicht gleich gesundheitsschädlich", so Restemeyer. Es gibt keinen speziellen Speicher für Eiweiße oder Aminosäuren – das sind die Grundbausteine der Proteine. Also werden die verzehrten Aminosäuren, die den Bedarf übersteigen, energieliefernd abgebaut.

    Allerdings sollte man es auch nicht übertreiben. Der Körper wandelt Aminosäuren in Fettsäuren oder Glukose um. Bei einigen Substanzen entstehen hierbei ausscheidungspflichtige Substanzen wie beispielsweise Harnstoffe. Außerdem kann es bei einem gesteigerten Eiweißverzehr zu vermehrter Kalziumausscheidung über den Harn kommen. Das wiederum vergrößert das Risiko, an Nierensteinen oder Osteoporose zu erkranken.

    Außerdem enthalten proteinreiche tierische Lebensmittel – wie fettreiches Fleisch, Wurst oder Käsesorten und Eier – neben dem Eiweiß viel Fett, Cholesterol und Purine. Konsumiert man größere Mengen dieser Inhaltsstoffe, kann es zu Fettstoffwechselstörungen oder zu Gicht führen.

    Ab wann es dem Menschen schadet, wenn er mehr Eiweiß verzehrt als empfohlen, ist nicht experimentell bewiesen. Aber es ist sicherlich besser, sich grob an die Empfehlungen der DGE zu halten. Für Nierenkranke gelten niedrigere Grenzen. Im Einzelfall sollte der Patient sich mit seinem Arzt absprechen.

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  • Bodybuilder trinkt Proteindrink

    Braucht man Eiweiß-Shakes für den Muskelaufbau?

    "Auch Menschen mit einer erhöhten körperlichen Belastung haben keinen gesteigerten Eiweißbedarf", so Restemeyer. Selbst für Menschen, die vier bis fünfmal wöchentlich eine Dreiviertel bis zu einer Stunde trainieren, gilt die Empfehlung der DGE von 0,8 bis 1 Gramm Eiweiß am Tag pro Kilogramm Körpergewicht. Sportler, die im Rahmen einer Studie die Zufuhr auf bis zu 2,5 Gramm erhöhten, konnten nicht mehr Muskeln aufbauen.

    Für Spitzensportler, wie beispielsweise die Teilnehmer der Tour de France, gelten Zufuhrempfehlungen von bis zu 1,6 Gramm Eiweiß am Tag pro Kilo Körpergewicht. Aber selbst diese Menge kann man mit einer ausgewogenen und vielseitigen Ernährung erreichen. Die Shakes scheinen für den Muskelaufbau also überflüssig zu sein. In der Ernährung von Untergewichtigen oder Kranken leisten sie aber sehr gute Dienste.

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  • Frau hat Angst vor Übersäuerung

    Führt zu viel Eiweiß zu Übersäuerung?

    "Eiweißreiche Lebensmittel belasten den Organismus mit Säuren. Eine Übersäuerung ist beim Gesunden aber nicht zu befürchten. Körpereigene Puffersysteme halten den Säure-Base-Spiegel im Blut konstant", erklärt Restemeyer.

    Übrigens: Außer Proteinen sind auch Süßigkeiten, Weißmehlprodukte, Alkohol und Kaffee säurebildend. Dagegen führen pflanzliche Lebensmittel vorwiegend zur Entstehung von Basen. Säuren und Basen können sich gegenseitig neutralisieren.

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  • Sportliche Frau mit Eiweißdrink in der Hand

    Hilft Eiweiß beim Abnehmen?

    "Proteine sättigen besonders lang. Kohlenhydrate, vor allem komplexe, wie sie beispielsweise in Gemüse, Obst und Vollkornprodukten vorkommen, sättigen aufgrund ihres hohen Volumens hingegen schnell", antwortet Restemeyer.

    Am besten sättigt also eine Mahlzeit mit großem Volumen, die abwechslungsreich zusammengesetzt ist. Zum Beispiel: Viel Gemüse oder Salat (viel Volumen, wenig Kalorien) kombiniert mit Vollkornnudeln (Kohlenhydrate, Ballaststoffe) und magerem Fleisch oder Fisch (Proteine, etwas Fett). Wer länger satt ist, fängt nicht an, zwischen den Mahlzeiten zu naschen.

     

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Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 06.02.2012
Bildnachweis: Fotolia/Maria P., iStock/Kaarsten, iStock/vuk1691, Thinkstock/iStockphoto, iStock/Carey Hope, iStock/Hidesy, Gehring, Mattjeacock, Pepifoto, Thinkstock/istockphoto

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